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Anhaltende Marktberuhigung bei Wohneigentum

Von am 19. August 2016
NZZ Domizil

Die Schweizer Immobilienmärkte stehen vor zunehmenden Herausforderungen. Einzig auf dem Wohneigentumsmarkt bleiben Angebot und Nachfrage weitgehend im Gleichgewicht.

Über zehn Jahre lang haben an den Schweizer Immobilienmärkten schon fast paradiesische Zustände geherrscht: kontinuierlich steigende Preise und Mieten, eine boomende Nachfrage und tiefe Leerstände im Kielwasser tiefer Zinsen. Seit einigen Jahren verdichten sich aber die Anzeichen, dass allmählich andere Zeiten anbrechen. Auf dem Mietwohnungsmarkt steigen die Leerstände, während die Bautätigkeit auf rekordhohem Niveau bleibt. Die Büro- und Verkaufsflächen sind durch ein zu grosses Flächenangebot geprägt. Dagegen kristallisiert sich zunehmend heraus, dass der viel gescholtene Markt für selbst genutztes Wohneigentum zum stabilsten Marktsegment geworden ist.

Tiefe Zinsen und ein moderates reales Einkommensplus bilden 2016 eine grundsätzlich positive Ausgangslage für die Nachfrage nach Wohneigentum. Hinzu kommt, dass das Streben der sesshaft gewordenen Zuwanderer nach Wohneigentum diesen Trend unterstützt. Eine stark dämpfende Wirkung üben dagegen die höheren finanziellen Anforderungen für den Erwerb von Wohneigentum aus.

Weil die Anzahl geplanter Bauprojekte spürbar gesunken ist, sind mit Ausnahme des  Hochpreissegments keine grösseren Ungleichgewichte entstanden. Angebot und Nachfrage liegen vielerorts nicht weit auseinander, weshalb die Leerstände 2016 wie schon im Vorjahr nur geringfügig steigen dürften. Der richtige Stresstest am Eigenheimmarkt wird erst folgen, wenn die Zinsen spürbar zu steigen beginnen und/oder wenn ab etwa 2018 der Pillenknick die Zusatznachfrage nach Wohneigentum allmählich reduzieren wird.

Das Economic Research der Credit Suisse rechnet auch für das zweite Halbjahr 2016 mit einer fortgesetzten Beruhigung des Wohneigentumsmarkts, die sich landesweit in einem zwar positiven, aber nur noch schwachen Preiswachstum von weniger als einem Prozent äussern dürfte. Die Nachfrage wird dabei immer stärker von Personen  getragen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Sie verschiebt sich aufgrund der hohen finanziellen Anforderungen zudem weiter in Richtung tiefes und mittleres Preissegment. Damit werden Immobilien  im  Hochpreissegment auch 2016 einen schweren Stand haben. Im Gegensatz  zu weiten Teilen der Schweiz sind die Immobilienpreise in der Westschweiz bereits letztes Jahr in einem Grossteil der Regionen gesunken. Auch in diesem Jahr erwarten die Ökonomen der Credit Suisse ein Minus, der Rückgang sollte sich aber nicht weiter verschärfen.  Die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsraums rund um den Genfersee sind hierfür immer noch zu attraktiv.

Detaillierte Informationen über die verschiedenen Marktsegmente des Schweizer Immobilienmarkts können Sie in der Studie «Schweizer Immobilienmarkt 2016 – Vertreibung aus dem Paradies» der Credit Suisse nachlesen.

Zur Person

Thomas Rieder, Immobilienökonom der Credit Suisse, analysiert die Immobilienmärkte schweizweit und berät Immobilieninvestoren. Trends, Risiken und gesellschaftliche Entwicklungen werden in Studien und detaillierten Prognosen aufgearbeitet und den Marktteilnehmern als fundierte Entscheidungsgrundlage zur Verfügung gestellt. Thomas Rieder arbeitet seit 2006 bei der Credit Suisse. Der 35-jährige Volkswirtschaftler lebt in der Stadt Zürich.

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Dieser Artikel wurde von Credit Suisse erstellt. Credit Suisse trägt die redaktionelle Verantwortung für diesen Inhalt.

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