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Entspannen mit Seesicht

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Eine alte Truppenunterkunft in Erlenbach wird zum lichtdurchfluteten Hallenbad

Eine ausgediente Unterkunft für Rettungstruppen in ein Hallenbad verwandeln? Diese nicht alltägliche Aufgabe lösten das Architekturbüro Illiz und die Ingenieure von Pöyry Schweiz mit Bravour. Aus einem selektiven Vergabeverfahren der Gemeinde Erlenbach ging das Gemeinschaftsprojekt im Jahr 2012 als Sieger hervor. Vor kurzem wurde das inzwischen fertige Projekt von der Plattform Swiss Architects zum «Bau des Jahres 2016» gekürt.

Das Gebäude besticht durch das geschickte Umfunktionieren des früheren Bunkers in ein Hallenbad und die damit verbundene Lösung zur Einbettung ins Gelände. Auch die Wahl des Materials für den Innenausbau, das beim Aufstieg von den Garderoben ins Hallenbad die wechselnden Lichtverhältnisse eines Sees suggeriert, überzeugt.

Metamorphose eines Erdhügels

Ausgangspunkt für den Bau war die am Rand der Schulanlage Erlenbach gelegene ausgediente Unterkunft für Rettungstruppen, die sich unter einem dicht bewachsenen Hügel und einem in die Jahre gekommenen Sportplatz verbarg. Von aussen nur erkennbar durch zwei in den Hang gegrabene Zufahrten, wartete sie auf eine neue Bestimmung. Die Aufgabenstellung an die Architekten sah vor, alle Bereiche des Bades in dem unterirdischen Schutzbau unterzubringen. Hierfür hätte das Erdreich unter der Truppenunterkunft zur Schaffung des notwendigen Becken-Volumens ausgegraben werden müssen. Doch die Planer «hängten» das Schwimmbecken einfach in die bestehende unterirdische Kubatur hinein.

So liegt nun der Wasserspiegel ebenerdig im Gelände und ermöglicht einen Ausblick über den Zürichsee. Im unterirdischen Bestand befinden sich heute neben Becken und Hubboden die Haus- und die Schwimmbadtechnik sowie die Eingangshalle mit anschliessendem Garderobentrakt.

Betritt man die Eingangshalle des ehemaligen Untergeschosses, erinnern die Wandplatten an den Moment des Eintauchens in einen See. So sind die Wandfliesen in dunklen Grüntönen gehalten, während sich im schmalen Treppenraum die Farben in Richtung Schwimmhalle zu Silbrig-Grün und Zartrosa wandeln. Der massive, rohe Charakter der alten Anlage ist jedoch weitgehend erhalten geblieben. So blieben im Untergeschoss die Leitungsführungen sichtbar, Gänge und Umkleiden wurden neu indirekt beleuchtet. Nur die über die belichtete Front hingestreckte Eingangshalle des im Hang steckenden Betonkörpers tritt klar hervor und lädt zum Betreten ein.

Eine neue Einheit

Konstruktiv wie formal werden die alte Truppenunterkunft und das ihr aufgesetzte Tragwerk zu einer neuen Einheit zusammengefügt. Die Identität des Gebäudes wird von der Tragstruktur der Schwimmhalle geprägt: Eine massive Betonkassetten-Decke überspannt die gesamte Grundfläche der Halle und ruht an ihren Rändern auf einer Reihe schlanker Betonstützen. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit wurden die Stützen aus Hochleistungsbeton gefertigt. Dies erlaubte schlanke Querschnitte und verbesserte die Widerstandsfähigkeit.

Eingehüllt wird das Hallenbad durch eine filigrane Glasfassade. 27 vertikale Glasstreifen betonen die Vertikale und öffnen die Nord- und die Westfassade der Schwimmhalle vom Boden bis zur Decke raumhoch. In der Dämmerung beginnt der Innenraum zu leuchten. Heute ruhen zwei scheinbar ineinander verschachtelte Kuben an der Geländekante und markieren den Abschluss des Schulareals.

Gerald Brandstätter

Dieser Beitrag ist dem Immobilienbund der Neuen Zürcher Zeitung «NZZ Domizil» entnommen.

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