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Hier werden Ideen gesponnen

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In einer alten Spinnerei in Flums wird gearbeitet, gefeiert und bald auch gewohnt

Der Lärm muss ohrenbetäubend gewesen sein. Hunderte von Spinnereimaschinen ratterten um die Wette, als wolle jede das schönste und edelste Garn spinnen, 143 Jahre lang. Doch im Januar 2009 war Schluss. Die traditionsreiche Spinnerei Spoerry & Co. in Flums musste die Produktion einstellen. Die schwierige Situation in der Textilindustrie zwang die Unternehmensleitung dazu. Es war eine schwere Zeit. Für die Leute, die Region und für die ganze Branche.

Heute ist in die «Flumserei», wie der stattliche Fabrikbau neu genannt wird, wieder Leben eingekehrt. «Wir wollten das Areal möglichst schnell wiederbeleben», sagt Andreas Hofmänner. Er ist Geschäftsführer der Firma Innobas, der Eigentümerin des Industrieareals. 30 000 Quadratmeter, etwa die Fläche der Messe Zürich, standen plötzlich zur Nutzung frei. Und das mitten in der Peripherie zwischen Zürich und Chur.

Bunter Mix von Mietern

Da brauchte es ein paar gute Ideen. Die erste bestand darin, so schnell als möglich Gewerberäume und einen Eventbereich zu realisieren, um wieder Betrieb in die leerstehenden Gemäuer zu bringen. Diese erste Projektphase betraf knapp 10 000 Quadratmeter und damit ein Drittel der Gesamtfläche. Saniert wurden der sogenannte Zwischenbau aus dem Jahr 1900 und der Neubau aus dem Jahr 1986. Das Haupthaus mit dem auffälligen Turm blieb zu diesem Zeitpunkt noch unangetastet.

Im 2013 zog dann ein bunter Mix von Mietern in die fertiggestellten Räume: eine Schokoladenmanufaktur, ein Pilates-Studio, Künstler, aber auch Versicherungen und Architekten belebten das Areal mit seiner langen Geschichte. Die regelmässigen Events fanden schnell ihr Publikum. Man trifft sich an Konzerten, an Flohmärkten oder im italienischen Pop-up-Restaurant.

Die zweite Idee war, das Haupthaus zu einem ausgefallenen Wohnhaus umzubauen. Die Planungsarbeiten sind heute schon weit fortgeschritten, und der Baustart wird voraussichtlich im Jahr 2018 erfolgen. Im siebenstöckigen Gebäude aus dem Jahr 1866 sollen vielfältige Wohnwelten entstehen: vom schmucken 1-Zimmer-Studio bis hin zur grosszügigen 5,5-Zimmer-Familienwohnung. «Wir wollen einer kreativen Zielgruppe aus der Region eine Vielfalt an zahlbaren Wohnungen bieten», sagt Hofmänner. Die Wohnungen sollen ausser durch den modernen Ausbaustandard durch ihre Raumhöhe von 4,5 Metern und Loft-Charme bestechen.

«Die Verteilung der 84 Wohnungen glich einem Tetris-Spiel», sagt der Geschäftsführer. Dabei lag die Herausforderung vor allem darin, Helligkeit in die Räume zu bringen, die in der Mitte des Gebäudes liegen. Bei einer Gebäudebreite von 30 Metern war das kein einfaches Unterfangen. Eingebaut werden nun sechs Schächte, die Licht in die Treppenhäuser und in sechs sogenannte Durchschusswohnungen bringen, die quer durch das Haus reichen.

Loggias und Balkone zum Berg

Eine andere Hürde waren die Vorgaben des Denkmalschutzes für die Talseite des Gebäudes. Denn dort darf die Fassade nicht verändert werden, und es dürfen keine Balkone angebaut werden. Geplante Loggias schaffen nun den Bezug zum Draussen. Auf der Bergseite wiederum können neue Balkone erstellt werden.Für die Planung und die Umsetzung von Wohnraum und Umgebung zeichnet das Architekturbüro Moos Giuliani Herrmann verantwortlich, das einen Wettbewerb für sich entschieden hat. Das Projekt führt den geschichtsträchtigen Bau nun in eine neue Zeit.

Claudia Furger

Dieser Beitrag ist dem Immobilienbund der Neuen Zürcher Zeitung «NZZ Domizil» entnommen.

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